An der Atlantikküste bis ans "Ende der Welt"

Unsere Reise durch die Normandie und die Bretagne und weiter nach Paris

Hier der Bericht einer Reise, die uns über drei Wochen lang in einige der schönsten Orte der Normandie und Bretagne und zum Abschluss nach Paris führte. Nach über 3900 km mit unserem kleinen T.E.C. am Haken sind wir mit prall gefüllten Foto-Speicherkarten im Gepäck wieder daheim. Nun wollen wir unsere Reisenotizen und die vielen Fotos sichten und ordnen, um die Besucher unserer Website an unserer Tour teilhaben zu lassen.

 

Wie schon auf unserer Willkommenseite erwähnt, stellen solche Berichte immer eine Gratwanderung dar, weil wir unsere Leser oft an Orte mitnehmen, die man eigentlich als Privatsphäre bezeichnet. Bitte einsteigen, anschnallen - es geht los!

 

Freitag, 7. Juni (1. Tag)

Oschersleben - Aachen (488 km)
Unser Start in den mit großer Vorfreude bedachten Besuch der Grande Nation erfolgt etwas früher als erwartet, weil die Muddi von ihrem Chef schon kurz nach zehn Uhr aus der Apotheke in den wohlverdienten Jahresurlaub entlassen wird. Somit sind wir schon eine gute Stunde später auf der Autobahn in Richtung Westen und kommen zunächst auf der A 2 und später auf der A 1 bis in den Großraum Köln trotz des regen Verkehrs am Freitag Nachmittag gut voran. Der erste Stau, der uns erst kurz vor Schwerte erwischt, ist auch nicht so doll, wie von Fräulein Navi und vom Verkehrsfunk angekündigt. Hinter Köln geht es dann auf der A 4 schnurstracks auf Aachen zu, wo wir kurz nach 18 Uhr wohlbehalten ankomme.

Auch der Campingplatz am Brandenhofer Weg im Stadtteil Burtscheid ist schnell gefunden. Obwohl der vorwiegend von Wohnmobilen sehr gut besucht Platz rappelvoll ist, finden wir recht schnell noch ein Plätzchen, für das 15 Euro pro Nacht zu löhnen sind. Das kleine Sanitärgebäude im Eingangsbereich verfügt für Weib- und Männlein jeweils über einen kleinen Waschraum mit jeweils nur einer Dusche und Toilette, sowie Abwasch- und Entsorgungsbecken im Außenbereich. Da braucht es schon etwas Glück und Geduld, um mal schnell für einen Euro unter die Dusche oder gratis aufs Töpfchen hüpfen zu können.
Da wir hier nur zweimal übernachten wollen, wird nur das Sonnensegel in die Kederleiste gezogen. Wahrscheinlich letztmalig auf unserer Tour können wir uns via DVB-T rund 30 Sender in unseren Bordfernseher holen. Nach dem Abendbrot vergeht die Zeit bis zum Schlafengehen bei zwei Schöfferhofer Weizen für mich und einem Kirschporter für die Muddi sowie zwei von ihr gewonnenen Runden Skipbo recht schnell. Eine Stunde vor Mitternacht geht es dann in die Kojen.
Für morgen steht ein Stadtrundgang durch die alte Kaiserstadt auf dem Programm, denn in dieser westlichsten Ecke Deutschlands waren wir noch nie.

Sonnabend, 8. Juni (2. Tag)

Aachen
Kurz nach sieben Uhr werden wir von schönster Morgensonne geweckt. Nachdem die Muddi ihre Aufgabe als Brötchenholerin vom Dienst erfolgreich absolviert und ich den Kaffee gekocht habe, steht einem ausgiebigen Frühstück nichts mehr im Wege. Kurz danach macht der Platzwart, ein gebürtiger Thüringer aus Nordhausen, seine Runde und uns um 30 Euro leichter. Das ist aber nicht die einzige Ausgabe an diesem Tag. Gilt es doch, die defekte Förderpumpe unserer Wasserversorgung im Wohnwagen auszutauschen und für die Muddi die längst versprochene Beinverlängerung für ihren nagelneuen Westfield-Stuhl zu erstehen. Beides bekommen wir nach längerem Suchen letztendlich im Gewerbegebiet am Aachener Kreuz bei einem gut sortierten Wohnmobil- und Caravan-Händler, nachdem wir zuvor schon vergeblich einige Baumärkte abgeklappert haben.
Anschließend lassen wir uns von Fräulein Navi in die Aachener Altstadt führen. Dabei geraten wir mit unserem Auto allerdings etwas zu weit in die Fußgängerzone und können gerade noch vor den auf dem Marktplatz aufgestellten Tischen und Stühlen eines Cafés in zweieinhalb bis drei Zügen wenden, bevor unser kleines Verkehrsvergehen von einem Mitglied der uniformierten Trachtengruppe bemerkt wird.

In Anbetracht der prekären Parkplatzsituation in der Aachener Innenstadt müssen wir wohl oder übel wieder raus aus dem Zentrum und finden letztendlich eine Parkmöglichkeit am Blücherplatz. Von hier aus machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum weltberühmten Kaiserdom. Bevor wir uns aber zur Besichtigung desselben anschicken, essen wir noch recht komfortabel im “Hanswurst", einer Aachener Szene-Kneipe, zu Mittag. Nach der Dombesichtigung und dem anstrengendem Auf und Ab durch die Altstadt, einem Kaffee hier und einem Eis dort, verlieren wir etwas die Orientierung und können die grobe Richtung nur erahnen, in der wir unser Auto abgestellt haben. Da kam das Angebot eines hilfsbereiten und freundlichen Irakers zumindest mir gerade recht, uns mit seinem Auto zum etwa 2,5 km entfernten Blücherplatz chauffieren zu wollen.

Am Campingplatz angekommen, ist die neue Wasserpumpe schnell eingebaut und in Bad und WC ist wieder alles o.k. Danach liegen wir noch ein Stündchen faul in der Abendsonne. Nach dem Abendbrot spielen wir wieder zwei Runden Skipbo, die diesmal aber beide an den Reiseleiter gehen. Etwas Fernsehen vor dem Schlafengehen runden diesen rundum schönen und erlebnisreichen zweiten Urlaubstag in der Kaiserstadt Aachen ab. Morgen wollen wir den Belgien-Transit unter die Reifen nehmen und in Frankreich zunächst in Neufchatel-en-bray einen Zwischenstopp einlegen, um tags darauf in Fécamp die Kanalküste zu erreichen.

 

Sonntag, 9. Juni (3. Tag)

Aachen - Neufchatel-en-bray (406 km)
Bei wolkenverhangenem Himmel packen wir unsere Sachen und sind bereits gegen neun Uhr abfahrbereit. Der Weg aus Aachen hinaus ist gut ausgeschildert und auch der Transit durch Belgien verläuft bei zwar kühler und anfangs regnerischer Witterung problemlos. Neben dem Regen haben wir aber über weite Strecken mit der miserablen Qualität der belgischen Autobahn zu kämpfen. Man muss auf manchen Abschnitten höllisch aufpassen, um nicht durch die zahlreichen Schlaglöcher zu donnern. Vielleicht sind diese Schlaglöcher aber der Grund dafür, dass nachts die belgischen Autobahnen durchgängig beleuchtet sind. In Sachen Sanierung bzw. Neubau scheint sich aber einiges zu tun, zumindest lassen die vielen Baustellen in der Gegenrichtung darauf schließen. Dennoch kommen wir vorbei an Liége (Lüttich) und Namur gut voran, legen kurz vor Mons auf einem großen Autobahn-Rasthof eine Mittagspause ein.

Gegen 14 Uhr passieren wir die belgisch-französische Grenze. In Frankreich fahren wir zunächst ausnahmslos auf der Autobahn, wo wir zwischen Hordain und Cambrai erstmals zur Kasse gebeten werden. Nach einschlägigen Erfahrungen auf Italiens Autobahnen sind wir erstmals mit einer Liber-t Box von Tolltickets auf Tour, die wir uns kurz vor Urlaubsbeginn über das Internet bestellt haben. So können wir Nonstop die mit dem orangenen t (für Telepeage) gekennzeichneten Mautstationen passieren. Wir fahren einfach mit Tempo 30 auf die Schranke zu, die sich nach einem kurzen piep öffnet. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: so richtig trauen wir dem Ding anfangs nicht und fahren sicherheitshalber im Schritttempo und gaaaaaanz langsam auf die Schranke zu, die uns aber dann einen knappen Meter vor der Stoßstange den Weg frei gibt.
Die paar auf diese bequeme Art und Weise passierten Mautstationen auf der A 2 und A 28 sind aber auch schon alles, was für etwas Abwechslung auf den ansonsten stinklangweiligen und fast leeren Autobahnen sorgt.

Mautstation bei Cambrai

Kurz vor sechs Uhr holt uns Fräulein Navi dann endlich von der Autobahn und geleitet uns zum als Tagesziel erkorenen Campingplatz Saint Claire  in Neufchatel-en-brains. Hier haben wir trotz Vorsaison das Glück, noch einen der letzten Stellplätze zu ergattern. Kurz nach unserer Ankunft ziert nämlich das aussagekräftige Hinweisschild "complet" die CP-Einfahrt, weil ein ganzes Rudel Engländer von den Fähren in Calais oder Dieppe kommend hier die erste Pause auf dem Festland mit ihren Wohnwagen oder Wohnmobilen einlegt.
Der CP "Saint Claire" war einst ein großer Bauernhof, bis dann der Bauer Pferd und Wagen verkaufte, seine Landwirtschaft an den Nagel hing und das große Grundstück an dem munter dahin plätschernden Bächlein in einen aus unserer Sicht ganz tollen Campingplatz verwandelte.

Für unseren Zwischenstopp auf der Fahrt zum Meer meinen wir, kaum etwas Besseres finden zu können, auch wenn wir zwischen den gefühlten 100 Engländern und Niederländern scheinbar die einzigen Deutschen sind. Mit 12,80 Euro für eine etwa 100 Quadratmeter große Parzelle mit Wimbledon-Rasen liegt der Platz auch preislich am unteren Level. Sogar Internet gibt es - kostet aber einen Euro pro Stunde. Allerdings will es bei uns trotz mehrmaliger Benutzer- und Passworteingabe nicht so recht mit dem Login in das Netzwerk des Platzes klappen. Außerdem wird es abends empfindlich kühl, so dass wir vor dem Schlafengehen sogar mal kurz die Truma im Wohni aufdrehen, bevor wir uns in das Reich der Träume verabschieden.

 

Montag, 10. Juni (4. Tag)

Neufchatel-en-bray - Fécamp (90 km)

Auch dieser Tag beginnt zumindest witterungsmäßig recht unfreundlich. Nach dem Frühstück nehmen wir unseren Wohni an den Haken und fahren zunächst zur etwa 400 Meter entfernten Billig-Tanke am E.Leclerc-Marché. Hier lassen wir unseren "Silberpfeil" für günstige 1,27 Euro pro Liter voll laufen. Allerdings erst, nachdem uns eine hilfsbereite Dame etwas beim Automaten-Tanken behilflich ist. Die DKB-Visa-Card funzt nämlich nicht, worüber mich die Stimme aus dem Tank-Automaten immer wieder zu informieren versucht. Natürlich in französisch und da sind unsere Sprachkenntnisse mehr als mangelhaft. Dass es dann mit der Sparkassen-Card besser geht, soll daran gelegen haben, dass der Automat die erste Karte nicht richtig lesen konnte, vielleicht habe ich sie auch falsch herum eingesteckt, versucht mir die hilfreiche Madame verständlich zu machen. Egal, was auch immer, letztendlich sind für 50 Euro etliche Liter Gazole gerüsselt.

Die Fahrt an die Kanalküste verläuft zunächst über die Autobahn A 28 in Richtung Le Havre und dann über kleinere Landstraßen bis nach Fécamp, dem heutigen Tagesziel, recht unspektakulär. Bevor wir aber den idyllisch am Steilufer gelegenen Campingplatz Municipal de Reneville erreichen, müssen wir erst wegen umfangreicher Straßenbaumaßnahmen im Zentrum der Stadt und einem reichlich desorientierten Navi eine Rundfahrt durch die verdammt engen Gassen der Altstadt bewältigen. Leute, was für eine Kutscherei mit dem Wohni am Haken, manchmal wird es mächtig eng. Aber Dank einer hilfsbereiten Inhaberin eines Souvenirgeschäftes, die unsere im wahrsten Sinne des Wortes verfahrene Situation beobachtet, werden wir doch noch auf den richtigen Weg gebracht. Und der geht hoch hinauf zum Campingplatz. Hier werden wir für unsere mühsame Kutscherei durch Fécamps enge Gassen mit einem tollen Stellplatz mit ebenso tollem Meerblick entschädigt.

Und als dann auch noch das Wetter zusehends besser wird und die Sonne vom Himmel lacht, dass es eine Freude ist, stellte ich erstmals auch bei uns so etwas wie Urlaubs-Feeling ein. Während ich die notwendigen Aufbauarbeiten in Angriff nehme, ist die Muddi dabei, uns aus der Bordküche eine deftige Linsensuppe mit Bockwurst zuzubereiten. Dazu gibt es noch Schokopudding vom Feinkost-Albrecht - Camperherz, was willst du mehr......
Von unserem Stellplatz im oberen Teil des Campingplatzes haben wir einen gigantischen Blick über das Meer. Im Laufe des Tages machen wir uns noch mit den sanitären Gegebenheiten vertraut und sind der Meinung, es mit diesem Platz gut getroffen zu haben. Ein Fakt, der am Abend erstmal mit einer Flasche Heimat-Sekt (Rotkäppchen halbtrocken) begossen wird.

 

Dienstag, 11. Juni (5. Tag)

Fécamp
Der gigantische Blick aufs Meer am frühen Morgen wird anfangs etwas getrübt, weil von der Sonne weit und breit nichts zu sehen ist und stattdessen leichter Nieselregen auf das Wohnwagendach tröpfelt. Für uns eine gute Gelegenheit, mal alle Viere gerade sein zu lassen und bis kurz nach 9.30 Uhr zu pennen. Dadurch wird es auch mit dem Frühstück etwas später. Danach beschließen wir, mit dem Auto eine Spritztour in die nähere Umgebung zu machen. Wir fahren zunächst immer in Küstennähe durch malerische Dörfer in Richtung Norden und erreichen nach einer Stunde Fahrtzeit Dieppe. Lt. Velbinger, unserem Reiseführer, soll die Stadt ein beliebter und in der Hauptsaison gut besuchter Badeort sein. Unser Eindruck fiel nicht ganz so positiv aus, zumal unser Bummel auf der Strandpromenade von einem heftigen Regenschauer begleitet wurde. Dennoch können wir uns sehr gut vorstellen, dass hier in der Hauptsaison der Bär steppt.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher nach Veules-les-Roses, einem kleinen Ort unmittelbar am Meer, ca. 10 Km vor Fécamp. Der von Insidern hoch gelobte Ort wird uns wegen seiner regen Straßenbauarbeiten allerdings ebenfalls in nicht allzu guter Erinnerung bleiben. Wir sind jedenfalls froh, unseren Wohnwagen nicht am Haken zu haben und unbeschadet aus dem Baustellen-Gewusel wieder herauszukommen, während sich einige Wohnmobilisten auf der engen Hauptstraße im Wenden in zweiunddreißig und noch mehr Zügen üben.
Wir fahren mit dem Vorsatz weiter, an der Fécamper Strandpromenade den längst fälligen Kaffee und das gewünschte Mandel-Croissant einzunehmen. Das klappt zwar nicht ganz so, wie wir uns das vorstellen, weil es in der Boulangerie & Patisserie am Hafen nur einfache Croissants und "Café to go" aus profanen Pappbechern gibt. Naja, vielleicht können wir beim nächsten Mal unseren Nachmittagskaffee in etwas gediegener Form einnehmen.

Wir bummeln noch ein bisschen durch die Stadt - kaufen in Rosalies Souvenir-Shop (die nette Dame, die uns gestern den Weg zum Campingplatz gezeigt hat), ein paar Ansichtskarten und in einem kleinen Supermarkt noch einige Kleinigkeiten zum Essen sowie flüssige Grundnahrungsmittel.
Im Camp zurück, treffen den Entschluss, noch einen Tag länger auf diesem traumhaft schönen Platz mit dem fantastischen Meerblick zu bleiben. Abends probieren wir unsere erste Flasche Cidre (deux) und sind schon nach dem ersten Gläschen einer Meinung, in den kommenden Urlaubstagen bei unseren trockenen Weinen aus dem "Bord-Weinkeller" zu bleiben. Dafür schmecken uns die gegrillten Bratwürste mit Bärlauch vom heimischen Schlachter umso besser. Satt und rundum zufrieden genießen wir noch bis 23 Uhr den tollen Ausblick auf das Meer.

 

Mittwoch, 12. Juni (6. Tag)

Fécamp / Etretat
Der Tag beginnt recht trist. Die Sonne scheint gegen die vom Meer in Richtung Festland ziehenden Wolken keine Chance zu haben. Auch die Temperaturen um die 15 Grad sind für Mitte Juni reichlich kühl. Getreu unserem Vorsatz, uns vom Wetter nicht irritieren zu lassen, brechen wir nach dem Frühstück zu einem Ausflug nach Etretat auf. Nach einer Fahrt mit dem Auto entlang der Küste über Yport und Vattentot-sur-Mer parken wir in Etretrat unmittelbar vor der Strandpromenade auf einem kostenpflichtigen Parkplatz. Bei der Wahl zwischen dem von meiner Beifahrerin favorisierten Bummel durch den Ort oder dem beschwerliche Aufstieg auf das Steilufer entscheiden wir uns zunächst für das Steilufer. "Das schaffst Du sowieso nicht", macht die Muddi ihrem Unmut schon nach den ersten Treppenstufen Luft, weil sie scheinbar zuerst lieber durch die zahlreichen Geschäfte gelustwandelt wäre....

Aber als Reiseleiter muss man sich auch mal durchsetzen können und gegebenenfalls die A….backen zusammenkneifen, auch wenn man schon nach den ersten 100 Stufen etwas aus der Puste kommt. "Kleinbeigeben" gilt da natürlich nicht und so finden wir uns nach einer kurzen Verschnaufpause unter den Menschenmassen wieder, die mit uns den beschwerlichen Aufstieg hinauf zum Steilufer in Angriff nehmen. Nach mehreren Zwischen- bzw. Fotostopps erreichen auch wir das Hochplateau, von hier aus haben wir einen fantastischen Ausblick auf Etrerat und auf das Meer mit den berühmten Felsnadeln an der hier mächtig zerklüfteten Steilküste. Bei diesem tollen Ausblick herrscht schon alsbald wieder Einvernehmlichkeit in unserer zweiköpfigen Reisegruppe.

Wieder wohlbehalten unten angekommen, werden von der Muddi zunächst noch eine Reihe von Geschäften in der Ortsmitte abgeklappert, bevor wir nach Fécamp zurück fahren. Hier lassen wir uns vor einer kleinen Patisserie am Markt die geliebten Mandel-Croissants und den petit Café schmecken. Für den Abend indes decken wir uns mit Baguetts, Rotwein und Käse ein, um alles an unserem Logenplatz im Camp genüsslich zu verzehren.
Am Platz angekommen meint es die Sonne trotz des böigen Windes noch mal gut mit uns, so dass sogar noch ein kleines Sonnenbad genommen werden kann. Im Laufe des Tages entwickelt sich aber die anfangs kräftige Brise zu einem handfesten Sturm.
Obwohl der Wind mächtig an unserem Sonnensegel rüttelt, hauen wir uns unbesorgt gegen 23 Uhr in die Kojen. Weil aber der Sturm über Nacht dermaßen zunimmt und sogar unseren kleinen Wohnwagen ein bisserl ins Wackeln gebracht haben soll (wie die Muddi glaubt, bemerkt zu haben), gehen wir auf Nummer sicher und bauen das Sonnensegel doch noch ab.
Morgen heißt es leider Abschied zu nehmen von Fécamp und dem tollen Logenplatz im Camping de Reneville. Wir hätten hier ohne weiteres noch ein paar Tage länger stehen können, aber die Reiselust treibt uns "gnadenlos" voran. Unser nächstes Ziel ist Honfleur, ein idyllisches Städtchen an der Seinemündung, Le Havre vis a vis....

 Donnerstag, 13. Juni (7. Tag)

Fécamp - Honfleur (52 km)
Gegen acht Uhr beginnen wir mit dem Abbau und verlassen gegen 10 Uhr mit etwas Wehmut unseren schönen Stellplatz, auf dem wir drei ebenso schöne Tage verbracht haben, wofür wir die fälligen 48,60 Euro gern bei dem netten Herren in der Rezeption zahlen. Zunächst fahren wir über einige kleine Dörfer und gelangen schließlich kurz vor Le Havre auf die mautpflichtige A 29. In der Mautstation macht es bei der Durchfahrt unter dem orangenen t nur kurz "piep" und nonstop geht's weiter.
Erstes Highlight des Tages ist ohne Zweifel die Fahrt auf der Pont de Normandie über die Seine. Es ist schon ein imposanter Anblick, wenn man diese ingenieurtechnische Meisterleistung unmittelbar vor sich sieht. Unser Dieselchen schnurrt die beachtliche Steigung bis zum höchsten Punkt der Brücke problemlos hinauf und überholt sogar, so lange die Fahrbahn noch zweispurig ist, einige Busse und LKW. Dann geht es schon wieder bergab und nach nur 52 km sind wir bereits in Honfleur.

Mautstation vor der Pont de Normandie

Den uns von unseren Essener Nachbarn in Fècamp empfohlenen Campingplatz direkt in Honfleur erreichen wir, wiederum nach einer aus Sicht der Beifahrerin, recht abenteuerlichen Fahrt durch die engen Gassen der Stadt. Der Empfang durch die Inhaberin des Campingplatzes "Du Phare" gestaltet sich auf Grund der Sprachbarrieren recht kompliziert, denn auch mit dem Englischen war es bei der Empfangs-Dame nicht weit her. Mit 20,10 Euro inklusive Dusche und Strom löhnen wir zwar etwas mehr als bisher (unser ACSI-Card-Rabatt greift hier nicht), obwohl es mit den sanitären Anlagen nicht so gut bestellt ist wie in Fécamp.
Dennoch finden wir es hier für nur eine Nacht ganz nett, besonders nachdem uns Madame höchst persönlich zu unserem Stellplatz führt. Dort richten wir uns recht schnell häuslich ein. Das ist auch gut so, denn der Himmel öffnete mal wieder seine Schleusen. Gegen 14 Uhr lässt der Regen nach, so dass unserem geplanten Stadtbummel durch das schöne Honfleur nichts mehr im Weg steht.

Wir schlendern durch die engen Straßen von Honfleur, in denen sich Geschäft an Geschäft und Atelier an Atelier drängt. Das Preisniveau in dem schicken Städtchen, in dem es von Touristen nur so wimmelt, hat es in sich. Das merkt besonders die Muddi, als sie sich in einer "Chocolaterie" zwölf selbst ausgesuchte Pralinen gönnt, für die sie stolze 7,37 Euro über den Ladentresen schieben darf. Noch etwas mehr sind für zwei Tassen Kaffee fällig, die wir uns in einem Straßencafé am Hafen bestellen und für die letztendlich 8,80 Euro zu zahlen sind. Für diesen stolzen Preis nehmen wir uns das Recht, weit über eine Stunde die beiden Plätze in vorderer Reihe des schicken Cafés "zu blockieren". Zumal nun auch wieder die Sonne vom blauen Himmel lacht und wir von unseren Stühlen aus das geschäftige Treiben am Hafen mit Interesse beobachten können. Das unerwartete Wiedersehen mit unserem Camper-Paar aus Essen, die schon einen Tag früher aus Fecamp hier anreisten, wird mit beidseitiger Freude registriert.
Die Muddi freut sich wie Bolle über einige Runden auf dem nostalgischen Karussell am Hafen, wo sie sich hoch zu Ross einen längst vergessenen Kindertraum verwirklicht.

Danach führt uns ein Spaziergang in die gepflegten Parkanlagen von Honfleur, wo wir an einigen Fitness-Geräten etwas für unsere Körperertüchtigung tun und uns dafür ganz spontan mit den teuer erstandenen Pralinen belohnen. Danach spazieren wir hinaus bis zur Seinemündung und haben dabei einen tollen Blick auf die Pont de Normandie.
Der anfangs etwas regnerische, aber später so schöne Tag klingt wieder einmal mit einem Abendbrot á la France aus, will heißen mit einem Baguette, gutem Camembert und Rotwein. Zum Abschluss gibt's statt der zwei Skipbo-Runden noch ein bisserl Fernsehen, wobei wir zwischen dem deutschsprachigen Arte-Kanal (über DVB-T) und unserer mitgeführten DVD-Sammlung wählen können.
In diesem Zusammenhang wird es aber Zeit, sich hinsichtlich unseres DVD-Angebots zu outen: Wir haben nämlich alle 48 bisherigen Folgen der NDR-Kultserie "Neues aus Büttenwarder" an Bord. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Wir entscheiden uns für "Büttenwarder" und haben unseren Spaß an der Bauernschläue von Jan Fedder als Kurt Brakelmann und Peter Heinrich Brix als sein Kumpel Ardsche. Zur Nachtruhe begeben wir uns erst kurz nach Mitternacht.

 Freitag, 14. Juni (8. Tag)

Honfleur - Arromanches - Pontorson (200 km)
Der Abbau wird allmählich zur Routine, wie immer ist alles schnell verpackt und schon haben wir unser kleines Schneckenhaus wieder am Haken und sind früher als geplant auf der Piste. Das ist auch gut so, denn vor uns liegen heute über 200 km bis zum Le Mont Saint Michel, unserer letzten Station in der Normandie. Dass wir dabei einen kleinen Umweg fahren, um einen Zwischenstopp an den Landungsstränden der alliierten Truppen im zweiten Weltkrieg einzulegen, ist eigentlich noch gar nicht einvernehmlich abgesprochen. Der Exkurs in die Geschichte findet anfangs nicht unbedingt die Zustimmung der Muddi. Weil wir aber fernab der Autobahn A 13 stets über kleine und kleinste Landstraßen so nahe wie möglich an der Küste fahren, entwickelt sich diese Etappe zu einer herrlichen Sightseeing-Tour.

Gegen Mittag haben wir etwa 90 km hinter uns gebracht und Arromanches-les-Bains über die Seebäder Deauville, Villers-sur-Mer, Houlgate, Carbour, Luc-sur-Mer und Corseulles-sur-Mer erreicht. Unterwegs nutzen wir die Gelegenheit, uns an einem Verkaufsstand am Straßenrand mit frischem Obst einzudecken. Immer wieder sind wir vom Blick aufs Meer mit seinen schneeweißen Stränden fasziniert. Freunde, wenn ihr einmal in diese Gegend kommt, dann fahrt diese Strecke! Allerdings mag es in der Hauptsaison, wenn hier halb Frankreich in die großen und kleinen Seebäder einfällt, verkehrsmäßig ein bisserl enger werden.
Arromanches-les-bains ist scheinbar hauptsächlich auf britische Touristen eingestellt, die Fahnen des United Kingdom wehen jedenfalls in der Mehrzahl in der Hauptgeschäftsstraße des kleinen Ortes. Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass hier nach der Landung am 6. Juni 1944 (D-Day) vor der Küste einer der beiden künstlichen Häfen Mulberry B gebaut wurde, über den Truppen und Nachschub an Land gebracht wurden. Bei den alliierten Landungen lag Arromanches-les-bains im Landeabschnitt Gold Beach. Bevor wir uns ins Museum begeben, meint die Muddi mit dem Kauf einer roten Wetterjacke für den Reiseleiter ein besonderes Schnäppchen gemacht zu haben.

An kaum einem anderen Ort wie im Musee Du Débarquement von Arromanches-les-bains kann man die Kriegsereignisse vom 6. Juni 1944 besser nachvollziehen, als den Alliierten der verlustreiche aber am Ende doch erfolgreiche Angriff auf die deutschen Truppen am Atlantikwall gelang. Für uns Deutsche ein Erlebnis der besonderen Art, zumal sich schon im Eingangsbereich des Museums ein gewisses Schuldgefühl einstellt. Unsere Nachfrage nach Audioguides in deutscher Sprache wird an der Rezeption zunächst wortlos verneint, die gibt es aber dann doch noch im kleinen Kinosaal des Hauses. Während unseres Rundgangs werden uns an mehreren großen Schaukästen und anhand zweier Filme jene kriegsentscheidenden Ereignisse anschaulich vor Augen geführt.

Zurück in der Gegenwart erinnert uns erstmal ein leises Hungergefühl daran, heute noch nicht allzu viel gegessen zu haben. Mit zwei großen Portionen Fritten wird diesem Misstand schnell Abhilfe verschafft. Zurück am Wohnwagen nehmen wir zunächst Kurs auf Bayeux, wo wir an der Billig-Tanke vom Super Marché E.Leclerc zunächst für 1,27 Euro Gazole rüsseln und uns dann im Supermarkt mit Lebensmitteln für die zweite Urlaubswoche eindecken.
Danach rollen wir recht komfortabel und vor allem mautfrei auf der Autobahn A 84 in Richtung Le Monte Saint Michel zu. Gegen 18 Uhr checken wir auf dem Campingplatz "Haliotis" in Pontorson ein. Auf diesem vom Le Monte Saint Michel nur 9 km entfernten Platz fehlt es an nichts. Fast scheint uns der Platz mit nur drei Sternen unterbewertet, denn alles ist vom Feinsten und blitzsauber. Die Nachbarn auf unserem Campbereich kommen aus den Niederlanden und Belgien, wobei wir uns besonders mit dem belgischen, etwa gleichaltrigen Ehepaar, etwas anfreunden, zumal die Muddi die stark erkältete Frau aus unserer gut sortierten Bord-Apotheke "fachfraulich" verarzten kann.

 

Sonnabend, 15. Juni (9. Tag)

Pontorson / Le Mont Saint Michel

Der Tag lässt sich witterungsmäßig sehr gut an. Schon zum Frühstück scheint uns die Sonne auf den von der Muddi liebevoll gedeckten Frühstückstisch. Kinder, wie geht's uns doch gut - manchmal möchte man diese schönen Momente festhalten. Doch daran ist heute nicht zu denken, weil wir heute viel vorhaben. Als erstes werden die Fahrräder einsatzbereit gemacht, denn auf dem Tagesplan steht die Radtour zum 9 Kilometer entfernten Le Mont Saint Michel. Als wir mit den Rädern auf den direkt am Campingplatz vorbeiführenden Radweg einbiegen, ist die Silhouette der pyramidenförmigen Klosteranlage auf dem 75 Meter hohen Granitfelsen im Atlantik schon von weitem zu sehen und gibt uns die Richtung entlang des Couesnon, dem Grenzfluss zwischen der Normandie und der Bretagne, klar vor.

Am Klosterberg angekommen, versuchen wir unsere Räder, einschließlich Gepäck so sicher wie möglich anzuschließen und stürzen uns dann, gemeinsam mit einer noch überschaubaren Anzahl von Besuchern in das Gedränge vor dem heiligen Berg. In der schmalen, stets ansteigenden Gasse, ist alles dem Konsum untergeordnet. Geschäft drängt sich an Geschäft und Restaurant an Restaurant. Schritt für Schritt, bzw. Stufe für Stufe "kämpfen" wir uns auf der kleinen "Grande Rue" nach oben. Die Empfehlung eines Camperfreundes aus dem Tabbertforum, gleich links hinter dem Haupteingang eine kleine Treppe zu nehmen, um dem Gewusel auf der rappelvollen Gasse zu entgehen, trifft zumindest bei der Muddi auf wenig Gegenliebe. Sie unterliegt mal wieder ihrem scheinbar unwiderstehlichen Drang, Geschäfterl auf Geschäfterl abklappern zu müssen. Erfahrungsgemäß wird immer irgendwas auf diese Art und Weise gekauft, diesmal ist es nur ein kleines T-Shirt für den vor zwei Tagen geborenen Sohnemann unserer Großnichte in Potsdam. Dazu noch ein paar Ansichtskarten, damit die Lieben daheim auch wissen, dass wir tatsächlich hier sind.

Dann geht's weiter hinein bzw, hinauf in die weitläufige Klosteranlage. Am Eingang zur Abtei werden wir vom Aufsichtspersonal ohne den sonst üblichen Eintritt von 7 Euro p. P. zu bezahlen freundlich durchgewinkt. Wie wir später erfahren, hat man sich damit einem Warnstreik in der Touristik-Branche solidarisch zeigen wollen. Gegen 12 Uhr sind wir dann tatsächlich ganz oben angelangt und haben das Glück der täglich (außer montags) gegen Mittag stattfindenden Eucharistiefeier (Abendmahl) beiwohnen zu dürfen. Seit 2001 leben hier oben Ordensleute der Gemeinschaften von Jerusalem. Deren Einladung zum Abendmahl lassen wir aus, weil uns diese freikirchliche Gemeinschaft etwas fremd ist. Trotzdem ist es für uns ein ergreifender Moment, der besonders beim Gesang der Gläubigen (wenn der auch mehr oder weniger vom Tonband unterstützt wird) etwas unter die Haut geht. Aus den fast himmlischen Sphären steigen wir dann wieder hinab in den irdischen Trubel und lassen uns in einem der Klostergärten unseren Reiseproviant schmecken. Der Trubel am Berg scheint in den frühen Nachmittagsstunden noch um einiges zuzunehmen, denn unten am Eingang wird eine Busladung Touris nach der anderen abgekippt. Wir sind froh, unsere Räder einschließlich Gepäck in dem Gedränge am Eingangsbereich wieder zu finden und machen uns frohgemut auf den Heimweg.

Dabei haben wir allerdings die Rechnung ohne den Gegenwind gemacht, der uns vom Land her kräftig entgegen bläst. Dennoch sind wir, trotz einer kleinen Radpanne auf halber Strecke, nach einer guten Stunde zurück auf dem Campingplatz. Wir nehmen schnell eine Dusche und stürzen uns dann in den wohl temperierten Pool der mondänen Campinganlage. Zurück am Wohni lassen wir uns nicht nur das Abendbrot, sondern auch einen guten Tropfen trockenen Weißwein schmecken. Neuerdings nicht mehr aus der Flasche, sondern aus der vorteilhaften Drei-Liter-Vorratspackung aus dem Supermarkt....
Nach zwei Runden Skipbo gibt's dann noch Fernsehen per DVB-T - zunächst nur den deutschsprachigen Arte-Kanal, der leider keine Nachrichten bringt. Zum Abschluss des Tages kommen wieder Jan Fedder und Peter-Heinrich Brix aus Büttenwarder zu ihrem Recht!

 Sonntag, 16. Juni (10. Tag)

Pontorson - Frehel (80 km)
Nach einer erlebnisreichen Woche verlassen wir heute die Normandie, um morgen in der Bretagne neue Ziele anzusteuern. Wir werden über St. Malo weiter in Richtung Kap Frehel fahren und hoffen auf dem Camping Municipal du Pont de l'Etang bei Pleherel-Plage einen schönen Stellplatz am Meer zu finden. Der Abbau auf dem CP Haliotis verläuft reibungslos wie immer. Gegen neun Uhr verabschieden sich unsere belgischen Nachbarn von uns und kurz nach zehn Uhr verlassen auch wir den schönen Platz. Während wir auf der vierspurigen Nationalstraße N 176 locker dahin gleiten, grüßt der Le Mont Saint Michel noch einmal aus der Ferne. Über uns ziehen dichte Wolken hinweg und die Einreise in die Bretagne passt sich zusehends der augenblickliche Wetterlage an. Das Thermometer hat Mühe, die 15-Grad-Grenze zu erreichen und vom Himmel ergießt sich ein satter Regen über das Land. Ein Land, das sich nun völlig anders als die Normandie präsentiert.

Wir sind im Département Cótes-d'Armor beschließen zunächst, Saint Malo erst morgen oder übermorgen bei hoffentlich besserem Wetter einen Besuch abstatten zu können. Dann nehmen wir Kurs auf das Kap Frehel und erreichen über Ploubalay und Matignon bereits kurz vor Mittag unser Tagesziel, den Camping Municipal du Pont de l'Etang bei Pléhérel. Das Einchecken verläuft trotz anfänglicher Verständigungsprobleme recht einfach. Zu unserer Freude hat es inzwischen auch aufgehört zu regnen und vereinzelt geben die Wolken sogar einen Blick auf das Himmelsblau frei.
Wir stellen unser Gespann zunächst an einer zentralen Stelle des riesigen Platzes ab und machen uns per Pedes auf die Suche nach einem strandnahen Stellplatz. Der ist schon nach kurzer Zeit gefunden. Es ist ein Platz wie aus dem Bilderbuch, weil wir über die vor uns liegende Düne einen herrlichen Blick auf das Meer haben. Dass dieser schöne Platz noch frei ist, mag allerdings mehr oder weniger der Entfernung von ca. 70 Metern zur nächsten Stromsäule geschuldet sein. Dank unserer zwei Kabeltrommeln von 50 Meter und 25 Metern ist das aber, obwohl elektrotechnisch etwas problematisch, machbar.

Etwas problematischer indes ist es, den Wohnwagen auf dem etwas sandigen und unebenen Gelände in Position zu bringen. Hier nehmen wir mit Freude die Hilfe dreier junger Damen aus Dortmund an, die nicht weit von uns ihr großes Zelt aufgeschlagen haben. Deren bescheidenen Wunsch, ihre Handys bei uns aufladen zu dürfen, erfüllen wir selbstverständlich gern und betrachten dies als Basis für eine "generationsübergreifende" gute Nachbarschaft.
Erstmals auf unserer Tour entscheiden wir uns, für den geplanten dreitägigen Aufenthalt unser Reisevorzelt "Verona" vom holländischen Obelink aufzubauen. Meine Bedenken, das Vorzelt nicht wie die meisten Nachbarn auf der dem Meer abgewandten Seite aufzubauen, behalte ich für mich. Auf den schönen Ausblick auf den Atlantik wollen wir nicht verzichten und zurzeit ist es mit dem Wind auch nicht so doll. Nach dem Mittagessen (Kartoffelsuppe mit Wiener Würstchen) reißt der Himmel plötzlich auf, so dass wir uns noch etwas sonnen können. Dem einstündigen Sonnenbad schließt sich ein ausgiebiger Strand- und Platzrundgang, der aber die Muddi etwas unerwartet an den Rand der Erschöpfung bringt. Wir sind zwar mit einer Auslandskrankenversicherung unterwegs, aber auf deren Gebrauch möchten wir sehr gern verzichten. Nach einer kurzen Erholungsphase im Wohni scheint alles wieder o.k. zu sein.
Zum Abendbrot gibt es, wie schon an den Tagen zuvor, Baguette, Camembert und etwas Rotwein. Die anschließende Skibo-Runde bringt der Muddi wieder mal zwei Siege am Stück. Zwei Folgen "Büttewarder“ runden diesen schönen Tag ab.

 Montag, 17. Juni (11. Tag)

Frehel / Dinan

Während unseres dreitägigen Aufenthalts stehen eine Auto und eine Fahrrad-Tour auf dem Programm. Heute wollen wir mit dem Auto eine Städte-Tour ins Landesinnere nach Dinan und danach wieder zurück an die Küste nach Saint Malo unternehmen. Die ca. 40 km bis Dinan bringen wir schnell hinter uns. Auch die Parkplatzsuche in der recht engen Innenstadt verläuft problemlos.

Beim Stadtrundgang halten wir uns an die von der Tourist-Info vorgeschlagene Route. Die Altstadt hat einiges zu bieten, wie beispielsweise die Kathedrale St. Malo. In dem im Stil der Gotik und Renaissance erbauten Gotteshaus bewundern wir nicht nur die kunstvoll gestalteten Kirchenfenster, sondern erholen uns auf den Kirchenbänken etwas von der Lauferei auf dem holprigen Straßenpflaster der Altstadt. Vor dem Aufenthalt in dem sakralen Kirchenbau lassen wir uns noch eine Kugel Eis a 2,20 Euro (!) schmecken. Ein Einkauf im örtlichen Lidl beendet vorzeitig den Besuch dieser Stadt, die sicher noch viel mehr zu bieten hat, als wir gesehen haben. Doch wir sind beide recht "pflastermüde" und deshalb froh, am frühen Nachmittag ohne den geplanten Abstecher nach Saint Malo wieder zurück auf unserem Campingplatz zu sein.

Zum Abend bringen recht schnell unseren Holzkohle-Grill auf Arbeitstemperatur, um ein paar Bratwürste zu grillen. Dazu gibt es ein Baguette und einen Rote-Bete-Salat - alles aus dem heutigen Lidl-Einkauf. Der Tag klingt aus mit einem trockenen Roten mit dem klangvollen Namen "Pays d' Hérault Rouge". Natürlich aus dem vorteilhaften Drei-Liter-Pappkarton vom Lidl. Den Weinkennern unter uns werden mit Sicherheit schon die Haare hinsichtlich unserer bevorzugten Weine zu Berge stehen.
Danach werden die Karten für die obligatorischen Skipbo-Runden gemischt. Als Revanche für die Schmach von gestern zeige ich diesmal meiner besseren Hälfte, wo der Frosch die Haare hat und gewinne beide Runden. Ehrensache, dass im Wohni noch zwei der insgesamt 48 Folgen "Büttenwarder" geguckt werden. Wir sind zurzeit bei Folge 21 und 22, haben also noch reichlich Vorrat für die bevorstehenden Urlaubstage.
Zu den sanitären Einrichtungen auf diesem Naturcampingplatz ist zu sagen, dass während unseres Aufenthalts nur zwei von mehreren Sanihäusern geöffnet sind. Die aber sind sauber und werden zweimal am Tag gereinigt. Während wir uns an die gemeinsame Nutzung derselben durch Weiblein und Männlein auf unserer bisherigen Reise längst gewöhnt haben, gibt es hier aber keine Sitztoiletten sondern nur die typisch südländische Ausführung…..

Dienstag, 18. Juni (12. Tag)

Frehel

Nachdem wie bisher immer ausgiebigen Frühstück werden die Fahrräder für eine Tour zum Leuchtturm am Kap Frehel startklar gemacht. In Anbetracht der nur 5,5 km Entfernung bis dorthin hört sich das recht einfach an, aber das ständige Auf und Ab des parallel zur Straße D 34 verlaufenden Radweges geht uns "Flußradwegfahrern" ganz schön in die Knochen. Wir lassen es geruhsam angehen, schieben zwischenzeitlich unsere Drahtesel allzu große Steigungen hinauf und erreichen nach etwa einer dreiviertel Stunde den Leuchtturm am Kap Frehel. Mit uns sind jede Menge Wandersleute unterwegs, die den Fußweg entlang der Küste nehmen. Wir klettern ein bisserl auf den Klippen am Kap herum, machen einige Erinnerungsfotos und begeben uns nach etwa einer Stunde wieder auf den Rückweg. Unterwegs begegnet uns eine Gruppe junger Leute, die auf äußerst eigenwillig gebauten Fahrrädern für allgemeine Erheiterung sorgen. Nach dieser lustigen Begegnung statten wir dem nahe dem Kap Frehel gelegenen Campingplatz gleichen Namens einen Besuch ab. Dort ist allerdings absolut tote Hose, was uns bestätigt, mit unserem Campingplatz am Pléhérel-Plage die richtige Wahl getroffen zu haben.

Zurück im Camp beschließen wir, alle weiteren körperlichen Aktivitäten für heute einzustellen. Stattdessen nutzen wir die wenigen Sonnenstrahlen und rufen den Rest des Tages zum Lesenachmittag aus, wozu uns aus unserer kleinen Bordbibliothek einige Romane zur Verfügung stehen. Wie zum Beispiel der Krimi und Bestseller "Bretonische Verhältnisse" für mich sowie nicht ganz so anspruchsvoll "Alles azurro" für die Muddi.
Nach dem Abendbrot, das neben dem üblichen Camembert in Anbetracht unserer Tomatenvorräte mit einem Tomatensalat mit Mozarella aufgewertet wird, stellt sich plötzlich eine überraschende Wetterbesserung ein. Die Abendsonne scheint vom fast wolkenlosen, blankgeputzen Himmel als wolle sie in den letzten Tagen Versäumtes nachholen. Uns ist es recht, außerdem feiern wir heute Bergfest, liegt doch die Hälfte des Urlaub hinter uns. Bedauerlich ist nur, dass sich vor wenigen Stunden unsere drei Fräuleins aus Dortmund von uns verabschiedet haben. Die netten Mädel hoffen, in der Normandie auf etwas wärmere Temperaturen zu treffen. Dass das Wetter hierzulande öfters umschlägt, ist aber typisch für die Bretagne. "Mindestens fünf Mal am Tag ist auch hier schönes Wetter", heißt es in einem bretonischen Reiseführer. Trotzdem trauen wir dem Frieden nicht und bauen unser Vorzelt bereits am Abend ab.

Danach genießen wir noch einen zauberhaften Postkarten-Sonnenuntergang. Als die Sonne gegen 22.15 Uhr im Meer versinkt, wird es jedoch empfindlich kühl. Im auf die Schnelle leicht durchgeheizten Wohnwagen spielen wir noch zwei Runden Skipbo, nach denen sich jeder einmal in die Siegerliste eintragen darf und beschließen den Tag mit den Folgen 23 und 24 unserer Kultserie "Büttenwarder". Morgen werden wir Pléhérel-Plage verlassen und nach Trégastel an die Cote de granit rose weiter fahren.